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Franziskus zwingt den römischen Priesterkollegien die Konzelebration auf

(Roberto de Mattei, Katholisches, 28 juni 2017)

Im Vatikan geht folgendes Gerücht um: Einem Mitarbeiter, der ihn fragte, ob es wahr sei, daß es eine Kommission zur „Neuinterpretation“ von Humanae vitae gibt, habe Papst Franziskus geantwortet:

„Keine Kommission, sondern eine Arbeitsgruppe.“

Dabei handelt es sich nicht nur um sprachliche Kunstgriffe zur Verschleierung der Wahrheit, sondern um Wortspiele, die verdeutlichen, wie sehr der Kult der Widersprüchlichkeit das Wesensmerkmal dieses Pontifikats ist. Msgr. Gilfredo Marengo, der Koordinator der „Arbeitsgruppe“, faßt diese Philosophie treffend zusammen, wenn er sagt, daß man das „polemische Spiel, Pille ja – Pille nein, so wie heute Kommunion für Geschiedene ja – Kommunion für Geschiedene nein“ meiden solle (Vatican Insider, 23. März 2017).

Diese Prämisse ist notwendig, um auf ein neues vertrauliches Dokument hinzuweisen, das ebenfalls das Ergebnis einer „Arbeitsgruppe“ ist. Es handelt sich um das „working paper“ der Kleruskongregation „Über die Konzelebration an den Priesterkollegien von Rom“ (Sulla concelebrazione nei collegi sacerdotali di Roma), das vertraulich in den römischen Kollegien und Seminarien in Umlauf ist. Aus dem Papier geht in aller Klarheit hervor, daß Papst Franziskus, wenn schon nicht de jure so de facto, in den römischen Kollegien und Seminarien die eucharistische Konzelebration aufzwingen will, denn darin heißt es:

„Die gemeinschaftliche Zelebration hat der individuellen immer vorgezogen zu werden.“

Das Motiv für diese Entscheidung geht aus dem Dokument hervor. Rom ist nicht nur der Sitz der Cathedra Petri und das Herz der Christenheit, sondern auch der Ort, an dem Priester und Seminaristen aus aller Welt zusammenströmen, um jene Verehrung für den Glauben, die Riten und die Tradition der Kirche zu gewinnen, die man früher einmal den „römischen Geist“ nannte. Der Aufenthalt in Rom, der dabei half, die Liebe zur Tradition der Kirche zu entwickeln, bietet heute die Gelegenheit zu reiner doktrinellen und liturgischen „Umerziehung“. Das Leben in den römischen Kollegien, heißt es im „working paper“, biete die Gelegenheit, „um zugleich eine intensive Zeit der permanenten, integralen Formung zu erleben“.

Das Dokument beruft sich ausdrücklich auf eine jüngste Rede an die in Rom studierenden Priester, in der Papst Franziskus an die kirchliche Wichtigkeit der Konzelebration im Zusammenhang mit den Gemeinschaften der Priester-Studenten erinnerte:

„Es handelt sich um eine ständige Herausforderung, um den Individualismus zu überwinden und die Vielfalt als Geschenk zu leben auf der Suche nach dem Presbyteriat, das Zeichen der Gegenwart Gottes im Leben der Gemeinschaft ist. Der Priester, der nicht die Einheit wahrt, verjagt faktisch Gott aus seinem Zeugnis. Er bezeugt die Gegenwart Gottes nicht. Er schickt ihn weg. Auf diese Weise – versammelt im Namen des Herrn, besonders wenn Ihr die Eucharistie zelebriert – bringt auch sakramental zum Ausdruck, daß Er die Liebe Eures Herzens ist“ (Ansprache an die Gemeinschaft des Päpstlichen Spanischen Kollegs in Rom, 1. April 2017).

Im Sinne dieser Lehre stellt das „working paper“ der Kleruskongregation fest, daß „die konzelebrierte Messe gegenüber der individuellen Messe vorzuziehen ist“ (Hervorhebung im Original).

„Die Oberen sind daher nachdrücklich eingeladen, in den großen Priestergemeinschaften die Konzelebration zu ermutigen, auch mehrmals am Tag. Folglich können in den Kollegien verschiedene Konzelebrationen vorgesehen werden, sodaß die dort wohnenden Priester nach den eigenen Bedürfnissen daran teilnehmen können, weshalb für zwei oder drei über den Tag verteilte Momente gesorgt werden soll.“

„Effektiv sind die täglichen Beziehungen, die jeden Tag und für Jahre im selben Römischen Kolleg geteilt werden, eine wichtige Erfahrung auf dem Berufungsweg eines jeden Priesters. Durch diese Vermittlung werden brüderliche Bindungen und ein Band der Gemeinschaft zwischen Priestern verschiedener Diözesen und Nationen geschaffen, die einen sakramentalen Ausdruck in der eucharistischen Konzelebration finden.“

„Natürlich garantiert das Sich-Entfernen für eine verhältnismäßig lange Zeit aus der eigenen Diözese, in der man inkardiniert ist, und von der pastoralen Aufgabe nicht nur eine intellektuelle Vorbereitung, sondern bietet vor allem die Gelegenheit, zugleich eine intensive Zeit der permanenten, integralen Formung zu erleben. Unter diesem Blickwinkel bietet das gemeinsame Leben in den Priesterkollegien diese gegenüber der Vergangenheit wahrscheinlich neue Form der priesterlichen Brüderlichkeit. Die Kolleg-Erfahrung stellt eine Gelegenheit für eine fruchtbare Zelebration der Eucharistie durch die Priester dar. Daher kann die Praxis der täglichen eucharistischen Konzelebration in den Kollegien eine Gelegenheit der Vertiefung des geistlichen Lebens der Priester werden mit wichtigen Früchten wie: der Ausdruck der Gemeinschaft zwischen den Priestern der verschiedenen Ortskirchen, die besonders dann zum Ausdruck kommt, wenn die Bischöfe der verschiedenen Diözesen anläßlich ihrer Rom-Besuche den Konzelebrationen vorstehen; die Gelegenheit, die von einem anderen Mitbruder gehaltene Predigt anzuhören; die sorgsame und auch feierliche Zelebration der täglichen Eucharistie, die Vertiefung der eucharistischen Frömmigkeit, die jeder Priester auch außerhalb der eigentlichen Zelebration pflegen soll.“

Unter den praktischen Normen, die genannt werden, heißt es:

„Es ist empfehlenswert, daß die Priester generell an der eucharistischen Konzelebration an den im Kolleg vorgesehenen Zeiten teilnehmen können, indem die gemeinschaftliche Zelebration immer der individuellen vorgezogen wird. In diesem Sinn könnten die Kollegien mit einer ansehnlichen Zahl dort untergebrachter Priester die Eucharistische Zelebration zu 2 oder 3 unterschiedlichen Zeiten am Tag festlegen, damit es jedem nach seinen persönlichen, akademischen oder pastoralen Bedürfnissen ermöglicht wird, daran teilzunehmen.“

„Wenn die im Kolleg wohnenden Priester wegen besonderer Umstände nicht zu den vorgesehenen Zeiten an der Konzelebration teilnehmen können, haben sie immer zu einer anderen, geeigneteren Zeit die gemeinsame Zelebration vorzuziehen.“

Die Verletzung des Canon 902 des Codex Iuris Canonici ist offensichtlich, denn dort heißt es:

„Priester können die Eucharistie in Konzelebration feiern; den einzelnen aber bleibt die Freiheit unbenommen, die Eucharistie einzeln zu feiern“ (Hervorhebung durch den Autor).

Der Verstoß wird gleich zweimal wiederholt, was bedeutet, daß die Kollegien, die das „working paper“ buchstabengetreu umsetzen, aufgefordert werden, das geltende, universale Gesetz der Kirche zu verletzen. Neben den rechtlichen Aspekten gibt es aber auch theologische und geistliche.

Am 5. März 2012, anläßlich der Vorstellung des Buches von Msgr. Guillaume Derville „Die eucharistische Konzelebration. Vom Symbol zur Wahrheit“ (La concelebrazione eucaristica. Dal simbolo alla veritá, Wilson & Lafleur, Montreal 2012), betonte Kardinal Antonio Cañizares, damals Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, die Notwendigkeit, die Konzelebration „einzuschränken“, indem er sich die Worte von Benedikt XVI. zu eigen machte:

„Gemeinsam mit den Synodenvätern empfehle ich den Priestern deshalb ‚die tägliche Feier der heiligen Messe, auch wenn keine Gläubigen teilnehmen‘. Diese Empfehlung steht zunächst in Einklang mit dem objektiv unendlichen Wert jeder Eucharistiefeier und hat überdies seinen Beweggrund in ihrer einzigartigen geistlichen Wirkkraft, denn wenn die heilige Messe mit Aufmerksamkeit und Glauben erlebt wird, ist sie formend im tiefsten Sinn des Wortes, da sie die Gleichgestaltung mit Christus fördert und den Priester in seiner Berufung stärkt“ (Sacramentum caritatis, 80).

Die katholische Lehre sieht in der Heiligen Messe die unblutige Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers. Durch das Multiplizieren der Messen wird Gott größere Ehre erwiesen und es stellt ein immenses Gut für die Seelen dar.

Der Karmelit Pater Joseph de Saint Marie schrieb dazu:

„Wenn auch jede Messe in sich einen unendlichen Wert hat, ist die Disposition der Menschen, die Früchte zu empfangen, immer unvollkommen und in diesem Sinn begrenzt. Daher rührt die Bedeutung der Anzahl der Meßzelebrationen, um die Früchte des Heils zu vermehren. Die heilswirksame Fruchtbarkeit der Multiplikation der Messen, die von dieser elementaren, aber ausreichenden theologischen Überlegung gestützt wird, wird auch von der liturgischen Praxis der Kirche und der Haltung des Lehramtes bewiesen. Von dieser Fruchtbarkeit hat die Kirche – die Geschichte lehrt es – schrittweise im Laufe der Jahrhunderte Bewußtsein erlangt, hat diese Praxis gefördert und offiziell die Vermehrung der Messen immer mehr ermutigt“ (L’Eucharistie, salut du monde, Dominique Martin Morin, Paris 1982, S. 457f).

Fonte: Katholisches

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