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Das Gottesgericht in der Geschichte

(Roberto de Mattei, Katholisches, 23 mai 2020)

Terra infecta est ab habitatoribus suis,
propter hoc maledictio vorabit terram.
Jesaja 24, 5–6*

Im Zeitalter des Coronavirus können wir über alles sprechen, aber es gibt bestimmte Themen, die weiterhin verboten sind, insbesondere in der katholischen Welt. Das wichtigste dieser Themen ist vielleicht das Gericht und die Vergeltung Gottes in der Geschichte. Das Vorhandensein dieser Zensur ist ein guter Grund, um gerade dieses Thema anzusprechen.

 

Das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit

Ich gehe nicht vom Alten Testament aus, wo die Hinweise auf die Strafen Gottes unzählig sind, sondern von den Worten unseres Herrn:

„Euch aber muß es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben“ ( Mt 6, 31–33).

Diese Worte des Evangeliums sind ein Lebensprogramm für alle und erinnern uns an eine der Seligpreisungen:

„Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden“ (Mt 5, 6).

Der Begriff der Gerechtigkeit ist einer der ersten moralischen Begriffe unserer Vernunft: Die Philosophen definieren ihn als die Neigung des Willens, jedem zu geben, was ihm gebührt. Die Sehnsucht nach Gerechtigkeit ist im Herzen eines jeden Menschen grundgelegt. Wir suchen nicht nur das, was wahr, gut und schön ist, sondern auch das, was richtig ist. Alle lieben die Gerechtigkeit und verabscheuen die Ungerechtigkeit. Und da die Welt voller Ungerechtigkeiten und die menschliche Gerechtigkeit, die von den Gerichten verwaltet wird, unvollkommen ist, streben wir nach einer vollkommenen Gerechtigkeit, die es auf Erden nicht gibt und die wir nur in Gott finden können.

Der berühmteste Prozeß in der Geschichte, jener, der unserem Herrn Jesus Christus gemacht wurde, führte zur sensationellsten Ungerechtigkeit aller Zeiten. Aber Gott ist unendlich gerecht, weil er unfehlbar jedem das Seine gibt. Die Schönheit des Universums liegt in seiner Ordnung, und die Ordnung ist das Reich der Gerechtigkeit, denn die Ordnung besteht darin, jedem seinen Platz zu geben, und die Gerechtigkeit besteht darin, jedem das Seine zu geben: unicuique suum, wie das Römische Recht bestimmte.

 

Die unendliche Gerechtigkeit Gottes

Die unendliche Gerechtigkeit Gottes manifestiert sich in zwei verschiedenen Urteilen, die den Menschen am Ende seines Lebens erwarten: dem besonderen Gericht, dem jede Seele im Moment des Todes unterworfen ist, und dem Weltgericht, dem alle Menschen unterworfen sein werden, mit Leib und Seele, nach dem Ende der Welt.

Es ist Glaube der Kirche: Am Ende seines Lebens tritt jeder Mensch vor Gott, den Herrn und Obersten Richter, um seinen Lohn oder seine Strafe zu erhalten. Aus diesem Grund sagt der Priester beim Begräbnis: Memor esto judicii mei, sic enim erit et tuum (Sir 38). Sei eingedenk meines Urteils, wenn auch du lernen willst, gut zu urteilen.              

Im besonderen Urteil, so Pater Garrigou-Lagrange, versteht die Seele geistlich, daß sie von Gott gerichtet wird, und im göttlichen Licht spricht sich das Gewissen selbst das göttliche Urteil. „Das geschieht im ersten Moment, in dem die Seele vom Körper getrennt wird, sodaß gilt: So wahr es ist, von einem Menschen zu sagen, daß er gestorben ist, so wahr ist es auch, zu sagen, daß er gerichtet ist“[1]. Das Urteil ist endgültig und seine Vollstreckung erfolgt sofort.

Gottes Urteil unterscheidet sich von dem der Menschen. Berühmt ist der Fall von Raimund Diocre, Professor an der Sorbonne, der im Jahr 1082 starb. Bei seiner Beerdigung in Notre-Dame in Paris war eine Vielzahl von Menschen anwesend, darunter sein Schüler, der heilige Bruno von Köln. Während der Zeremonie ereignete sich ein schockierendes Ereignis, das von den bollandistischen Gelehrten bis ins kleinste Detail untersucht wurde.

Der Körper war in der Mitte des Mittelschiffs aufgebahrt und der damaligen Zeit entsprechend von einem einfachen Tuch bedeckt. Als die Begräbnisfeier begann, sprach der Priester die Worte:

„Antworte mir: Wie viele Missetaten und Sünden hast Du begangen …?“,

Plötzlich hörte man unter dem Leichentuch eine Stimme wie aus dem Jenseits:

„Durch das gerechte Urteil Gottes bin ich angeklagt!“

Das Leichentuch wurde sofort entfernt, aber der Verstorbene war unbeweglich und kalt. Die plötzlich unterbrochene Zelebration wurde nach dieser allgemeinen Unruhe sofort wiederaufgenommen. Die Frage wurde wiederholt und der Verstorbene schrie mit noch lauterer Stimme:

„Nach dem gerechten Urteil Gottes bin ich gerichtet!“

Der Schrecken unter den Anwesenden erreichte einen Höhepunkt. Einige Ärzte näherten sich der Leiche und stellten fest, daß Raimund wirklich tot war. Wegen des Entsetzens und der allgemeinen Unruhe beschlossen die kirchlichen Autoritäten, die Beerdigung auf den nächsten Tag zu verschieben.

Am nächsten Tag wurde die Totenmesse wiederholt. Als der Zelebrant zum selben Satz des Totenritus kam und ihn aussprach, erhob sich die Leiche unter dem Leichentuch und rief:

„Nach dem gerechten Urteil Gottes bin ich für immer in die Hölle verdammt!“[2]

Nach diesem schrecklichen Zeugnis wurde das Begräbnis abgebrochen und beschlossen, die Leiche nicht auf dem Friedhof zu begraben. Auf den Sarg des Verdammten wurden die Worte geschrieben, die er im Moment der Auferstehung sprechen wird:

„Justo Dei judicio accusatus sum, justo Dei judicio judicatus sum, justo Dei judicio condemnatus sum.“

Die Anklage, die Verurteilung, der Schuldspruch: Das wird die Verworfenen am Tag des Jüngsten Gerichts erwarten.

Aus diesem Grund sagt der heilige Augustinus in seiner Civitas Dei:

„Diejenigen, die zwangsläufig sterben, haben sich nicht so sehr darum zu sorgen, was sie sterben lassen wird, sondern über den Ort, an den sie nach dem Tod zu gehen gezwungen sein werden.“[3]

Und dieser Ort, wie wir hinzufügen, ist die Hölle oder der Himmel.

Die Botschaft von Fatima beginnt mit der schrecklichen Höllenvision und erinnert uns daran, daß unser Leben auf Erden sehr ernst ist, weil es uns vor eine dramatische Entscheidung stellt: Himmel oder Hölle, ewiges Glück oder ewige Verdammnis. Je nach unserer Entscheidung werden wir gerichtet und das Urteil wird sofort umgesetzt.

 

Das Jüngste Gericht

Aber nach dem Tod erwartet uns ein zweites Gericht: das Weltgericht.

Die Existenz eines Weltgerichts, das dem besonderen Urteil folgt, ist ein Glaubenssatz. Der heilige Augustinus faßt die Lehre der Kirche folgendermaßen zusammen:

„Niemand bezweifle oder leugne, daß Jesus Christus, wie es die Heilige Schrift verkündet, das letzte Urteil sprechen wird“[4].

Es wird das letzte Urteil sein, dem sich niemand entziehen kann.

In der Stunde des Jüngsten Gerichts wird Jesus Christus, dem das Kreuz vorausgeht, von den Höhen des Himmels erscheinen, umgeben von Heerscharen von Engeln und Heiligen (Mt 24, 30–31) und auf einem Thron sitzend (Mt 25, 30). Die Rolle des Richters wurde ihm vom Vater zugesprochen, wie Jesus selbst im Evangelium sagt:

„Von mir selbst aus kann ich nichts tun; ich richte, wie ich es (vom Vater) höre, und mein Gericht ist gerecht, weil es mir nicht um meinen Willen geht, sondern um den Willen dessen, der mich gesandt hat“ (Joh 5,30).

Aber warum ist ein Weltgericht notwendig, da Gott jede Seele unmittelbar nach dem Tod richtet und im Jüngsten Gericht das bereits im besonderen Urteil ergangene Urteil bestätigt wird? Wäre ein Urteil nicht genug?

Der heilige Thomas von Aquin antwortet:

„Jeder Mensch ist eine Person für sich und gleichzeitig Teil der gesamten Menschheit; deshalb kommt ihm ein doppeltes Urteil zu: das besondere nach seinem Tod, wenn er in Entsprechung dessen bekommen wird, was er im Leben getan hat, wenn auch nicht ganz, weil er (es) nicht für den Körper, sondern nur für die Seele erhalten wird, daher muß es ein anderes Urteil geben, nach dem wir Teil der Menschheit sind: das Weltgericht der gesamten Menschheit durch die universelle Trennung der Guten von den Bösen.“[5]

Der gleiche Kirchenlehrer erklärt an anderer Stelle, daß das irdische Leben des Menschen zwar mit dem Tod endet, sich aber irgendwie in die Zukunft erstreckt, weil er weiterhin in der Erinnerung der Menschen lebt, besonders in den Kindern. Darüber hinaus setzt sich das Leben des Menschen in den Auswirkungen seiner Werke fort. Zum Beispiel, sagt der heilige Thomas, „vom Trug des Arius und anderer fließt der Irrtum bis zum Ende der Welt unter die Menschen, und aus den Worten der Apostel der Glaube, (…) Alles dies unterliegt der Wertschätzung des göttlichen Gerichts.“[6]

Das Gericht Gottes endet daher nicht mit dem Tod, sondern erstreckt sich bis zum Ende der Zeit, denn bis zum Ende der Zeit kann sich der gute Einfluß der Heiligen oder der schlechte Einfluß der Verworfenen erstrecken. Der heilige Benedikt, der heilige Franziskus und der heilige Dominikus verdienen es, für all das Gute belohnt zu werden, das ihr Wirken bis zum Ende der Welt geleistet hat, während Luther, Voltaire und Marx am Ende der Welt für all das Böse bestraft werden müssen, das ihre Werke angerichtet haben. Deshalb muß es ein letztes Urteil geben, in dem alles, was jeden Menschen betrifft, in irgendeiner Weise perfekt und klar beurteilt wird. Während im besonderen Gericht über den Einzelnen geurteilt wird, insbesondere in Bezug auf die Richtigkeit der Absicht seines Handelns, werden im Weltgericht seine objektiven Werke beurteilt, insbesondere hinsichtlich der Auswirkungen, die sie auf die Gesellschaft hatten.

Nach dem unmittelbaren Gericht vor Gott, im Moment des Todes, ist es notwendig, daß ein öffentliches Gericht folgt, das nicht nur vor Gott, auch vor allen Menschen, Engeln, Heiligen und der allerseligsten Jungfrau Maria, denn das Evangelium sagt:

„Nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird“ (Lk 12, 2).

Es ist richtig, daß jene, die sich durch Leiden und Verfolgung den Himmel erworben haben, verherrlicht werden, und daß böse und perverse Menschen, die ein glückliches Leben vor den Menschen geführt haben, öffentlich entehrt werden. Pater Schmaus sagt, daß im endgültigen Urteil Wahrheit oder Lüge der kulturellen, wissenschaftlichen und künstlerischen Werke der Menschen offenbart werden; die Wahrheit oder die Lüge der philosophischen Richtungen, der politischen Institutionen, der religiösen und moralischen Kräfte, die die Geschichte bewegt haben; die Bedeutung von Sekten und Häresien, Kriegen und Revolutionen.[7] Die Leichname von Arius, Luther, Robespierre und Marx liegen bereits im Staub, aber am Tag des Gerichts müssen ihre Bücher, ihre Statuen, ihre Namen öffentlich entweiht werden.

Wir fügen hinzu, daß der Mensch in eine Nation hineingeboren wird und in ihr lebt und sein Handeln dazu beiträgt, die Nationen und Völker, in denen er lebt, im Guten oder Schlechten zu verändern, und auch diese Völker und diese Nationen werden in ihrer Kultur, ihren Institutionen und in ihren Gesetzen gerichtet werden. Aus diesem Grund sagt das Evangelium, wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt, „werden alle Nationen vor ihm zusammengerufen werden, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken trennt, und die Schafe zu seiner Rechten, die Böcke aber zur Linken versammeln“ (Mt 25, 31–46).

Das Urteil wird daher nicht nur über einzelne gesprochen, Menschen und Engel, sondern auch die Nationen sind aufgerufen, die Pläne der Göttlichen Vorsehung zu erfüllen, und müssen sich daher dem göttlichen Willen angleichen, der das Universum regelt und regiert. Beim Jüngsten Gericht wird offengelegt, wann und wie sehr jedes Volk die ihm von Gott übertragene Aufgabe erfüllt hat.[8]

„Gründe der Weisheit bewahren im Lauf der Zeit Geheimnisse“, schreibt Msgr. Antonio Piolanti, „aber die Zeit wird am Ende ihren Schatz vor den Augen der Weltversammlung ausschütten müssen. Alle Masken werden fallen und das glückliche Pharisäertum wird das Mal einer unauslöschlichen Schande tragen.“[9]

Das Gericht wird sich auf die gesamte Menschheitsgeschichte erstrecken, die in aller Öffentlichkeit zur größeren Herrlichkeit Gottes offenbar wird. Es wird der Triumph der Göttlichen Vorsehung sein, die im Laufe der Geschichte auf unsichtbare und undurchdringliche Weise das Schicksal von Menschen und Völkern lenkt.

Alle im Tal Josaphat werden vor dem letzten Urteil das große Wort verkünden:

„Iustus es Domine, et rectum iudicium tuum“ (Ps 117, 137).

„Herr, du bist gerecht, und dein Urteil ist richtig.“

Das besondere Gericht und das Jüngste Gericht sind die beiden höchsten Momente, in denen sich das Urteil Gottes über Menschen und Nationen manifestiert. Auf dieses göttliche Urteil folgt eine Belohnung oder eine Bestrafung. Der Lohn oder die Strafe wird auf den Menschen sowohl für das Leben als auch für die Ewigkeit nach dem Tod angewandt, während für Nationen, die kein ewiges Leben haben, der Lohn oder die Strafe nur in der Geschichte zur Anwendung kommt. Und da das Weltgericht die Geschichte abschließt, verurteilt Jesus Christus in diesem Moment die Nationen nicht zur ewigen Strafe, sondern offenbart den Augen aller versammelten Menschen, wie die Nationen nach ihren Tugenden oder ihren Sünden im Laufe der Geschichte belohnt oder bestraft wurden.

Es ist wichtig zu verstehen, daß sowohl für die einzelnen Menschen als auch für die Nationen das Jüngste Gericht der Höhepunkt des göttlichen Gerichts ist, aber Gott sich nicht darauf beschränkt, nur in dieser Stunde zu urteilen: Er urteilt, so kann man sagen, vom Moment der Erschaffung des Universums an. Am Ursprung der Weltgeschichte steht ein Urteil: das Gottesurteil gegen Luzifer und die abtrünnigen Engel, ebenso am Ursprung der Erschaffung des Menschen das Urteil gegen Adam und Eva. Seitdem hört Gottes Urteil über seine Geschöpfe bis zum Ende der Zeit nicht auf, weil die Göttliche Vorsehung das Werden des erschaffenen Universums aufrechterhält und bis zu seinem Ende lenkt. Alle Bewegungen der physischen Welt, der moralischen Welt und der übernatürlichen Welt sind von Gott gewollt, mit Ausnahme der Sünde, deren einzige Ursache das freie Geschöpf ist.

Jesus sagt, daß alle Haare unseres Kopfes gezählt sind (Lk 12, 8). Umso mehr wird jede Handlung, und sei sie noch so klein, von Gott beurteilt. Aber Gott ist nicht nur unendlich gerecht, er ist auch unendlich barmherzig[10], und es gibt kein göttliches Urteil, das unbarmherzig wäre, so wie es keinen Ausdruck der göttlichen Barmherzigkeit gibt, die nicht ohne tiefste Gerechtigkeit ist. Das vielleicht schönste Beispiel für diese Verschränkung von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit ist uns durch das immense Geschenk des Bußsakraments gegeben. In diesem Sakrament, in dem der Sünder gerichtet und losgesprochen wird, übt der Priester, der in persona Christi handelt, die richterliche Gewalt der Kirche aus. Er übt aber auch die mütterliche Barmherzigkeit Gottes aus, indem er uns von unseren Sünden losspricht. Die Gerechtigkeit Gottes greift ein, um durch die Strafen die Ordnung wiederherzustellen, die die Schuld verdient. Die göttliche Barmherzigkeit manifestiert sich durch die Vergebung unserer Sünden, dank derer Gott uns von ewigen Schmerzen befreit.

 

Die Bestrafung der Nationen

Das gilt für die Menschen, aber auch für die Nationen. Gott ist in der Geschichte nicht abwesend, er ist vielmehr mit seiner Unermeßlichkeit immer gegenwärtig, und es gibt keinen Punkt oder Moment der Zeit, in dem sich Gerechtigkeit und Barmherzigkeit Gottes in den Völkern nicht manifestieren. Auch alle Unglücke und Katastrophen, welche die Nationen in ihrer Geschichte betreffen, haben eine Bedeutung. Die Ursachen entziehen sich uns manchmal, aber sicher ist, daß der Ursprung eines jeden von Gott zugelassenen Übels in der Sünde des Menschen liegt. Der heilige Prosper von Aquitanien, ein Schüler des heiligen Augustinus, sagt, daß „die Ursachen des göttlichen Wirkens oft verborgen bleiben und nur die Auswirkungen sichtbar sind“[11]. Eine Sache ist sicher: Was auch immer die Sekundärursachen sein mögen, Gott ist immer die Causa prima, alles hängt von Ihm ab.

An diesem Punkt stellt sich die Frage, wie Gott das Verhalten der Menschen in der Geschichte beurteilt und bestraft. Die Antwort der Heiligen Schrift, der Theologen und Heiligen ist eindeutig. Tria sunt flagella quibus dominus castigat: Krieg, Pest und Hunger. Mit diesen drei Geißeln, wie der heilige Bernhard von Siena erklärt[12], bestraft Gott die drei Hauptlaster der Menschen: Stolz, Lust und Geiz: Stolz, wenn die Seele gegen Gott rebelliert (Offb 12, 7–9), Lust, wenn der Körper gegen die Seele rebelliert (Gen 6, 5–7), und Geiz, wenn Dinge gegen den Menschen rebellieren (Ps 96, 3). Krieg ist die Strafe gegen den Stolz der Völker, Epidemien sind die Strafe gegen ihre Lust und Hunger ist die Strafe gegen ihren Geiz.

 

Die Zeichen, durch die wir erkennen können, daß Gottes Gericht nahe ist

Der heilige Bernard analysiert in seinen Predigten den Psalm, der besagt:

„Tempus faciendi Domine dissipaverunt legem tuam“ (Ps 118, 126)

„Es ist Zeit, Herr, zu handeln, sie haben dein Gesetz zertrümmert“. In dieser Aussage unterscheidet der Psalmist drei Momente:

Tempus, die Zeit, in der Gottes Barmherzigkeit es den Menschen ermöglicht, sich zu ändern. In diesem Zeitraum bietet Gott den Sündern die Möglichkeit, das Urteil auszusetzen, die Strafe aufzuheben, die Straftaten wiedergutzumachen und die Gnade anzubieten. Gott wartet, weil er die Bekehrung der Sünder will. Die Wartezeit kann lang sein, hat aber eine Grenze. Wenn während dieser Zeit die Reue fehlt, ist die Bestrafung logisch und notwendig.

Der zweite Moment ist, wenn Gott die Bestrafung der reuelosen Sünder vorbereitet: Das ist eine Zeit, die durch die Worte faciendi Domine ausgedrückt wird, die laut dem heiligen Bernhard „die bittere Rache und die harte Strafe Gottes“ zusammenfassen, wenn das Volk sich nicht läutern will.[13] Die Bestrafung ist jedoch ein Akt der Barmherzigkeit des Vaters, der nicht den ewigen Tod der Sünder will, sondern ihr Leben, und durch die Geißeln, die er ihnen auferlegt, versucht er immer noch, ihre Bekehrung zu erwirken. Es ist die Zeit, in der die Axt an die Wurzel des Baumes gelegt wird: „securis ad radicem arboris posita est“ (Mt 3, 10).

Der dritte Moment ist jener der vollzogenen Straftat: dissipaverunt legem tuam. Es ist die Zeit, die Sichel aufzunehmen und die Ernte einzubringen, wie der Engel der Apokalypse sagt:

„Lege die Hand auf deine Sichel und ernte; denn die Zeit ist gekommen, um zu ernten, weil die Ernte der Erde reif ist“ (Offb 14,15).

Was sind die Anzeichen dafür, daß die Ernte reif ist? Der heilige Bernhard zählt sieben auf:

  • die Existenz vieler und schrecklicher Sünden wie in Sodom und Gomorra;
  • die Tatsache, daß die Sünde trotz voller Warnung und mit absichtlicher Zustimmung begangen wird;
  • daß diese Sünden von einem ganzen Volk in seiner Gesamtheit begangen werden;
  • daß dies auf öffentliche und schamlose Weise geschieht;
  • daß es mit aller Hingabe des Herzens der Sünder geschieht;
  • daß die Sünden mit Aufmerksamkeit und Sorgfalt begangen werden;
  • daß das alles kontinuierlich und beharrlich geschieht.[14]

Das ist die Stunde, in der Gott die Sünden des Stolzes, der Lust und des Geizes mit den Geißeln von Pest, Krieg und Hunger bestraft.

 

Tempus faciendi Domine, dissipaverunt legem tuam

„Es ist Zeit zu handeln, o Herr, sie haben Dein Gesetz verletzt.“ Ein anderer großer Heiliger mit einer prophetischen Stimme, der heilige Ludwig Maria Grignion von Montfort, greift in seinem brennenden Gebet auf, was der heilige Bernhard sagte, und ruft aus:

„Es ist Zeit, daß Du handelst, Herr, gemäß Deinem Versprechen. Das göttliche Gesetz wird übertreten, das Evangelium aufgegeben, die Ströme der Ungerechtigkeit überfluten die Erde und überwältigen sogar Deine Diener. Die ganze Erde ist in einem bedauernswerten Zustand, die Unfruchtbarkeit herrscht überall. Dein Heiligtum ist entweiht und der Greuel ist sogar am heiligen Ort. Gerechter Herr, Gott der Rache, wirst Du in deinem Eifer zulassen, daß alles zugrundegeht? Wird jeder Ort irgendwann wie Sodom und Gomorra? Wirst du für immer schweigen und geduldig sein?“

Der heilige Ludwig Maria schrieb diese Worte im frühen 18. Jahrhundert. Zwei Jahrhunderte später kündigte die Muttergottes in Fatima an, daß die Welt, wenn sie Gott weiterhin beleidigt, durch Krieg, Hunger und Verfolgung der Kirche und des Heiligen Vaters bestraft wird und „verschiedene Nationen vernichtet werden“.

Aber hat die Welt heute, hundert Jahre nach den Erscheinungen von Fatima und dreihundert Jahre nach dem Tod des heiligen Ludwig Maria, aufgehört, Gott zu beleidigen? Wird das göttliche Gesetz weniger übertreten, ist das Evangelium weniger verlassen, das Heiligtum weniger entweiht? Sehen wir nicht Sünden, die vor Gott nach Rache schreien, wie Abtreibung und Sodomie, gerechtfertigt, erhöht und geschützt durch die Gesetze der Staaten? Haben wir nicht gesehen, daß der Götze von Pachamama sogar in den heiligen Bezirk des Vatikans getragen und dort verehrt wurde? Verlangt das alles nicht von Gott gerichtet zu werden, jetzt? Und hat, wer Gott liebt, nicht auch die Stunde seiner Gerechtigkeit zu lieben und zu begehren, um wie am Tag des Jüngsten Gerichts: Iustus es Domine, et rectum iudicium tuum (Ps 117, 137): „Du bist gerecht, o Herr, und dein Urteil ist voller Gerechtigkeit“, zu wiederholen?

 

Weil die Völker sich der Strafen, die über ihnen hängen, nicht bewußt sind

Sobald die Axt auf ein Volk niedergeht, gibt es Katholiken, die erklären, nicht zu wissen, ob es sich um eine Strafe oder eine Prüfung handelt. Im Gegensatz zu den Menschen sind die Übel der Nationen jedoch immer Strafen. Es kann vorkommen, daß ein tugendhafter Mann viel leiden muß, um in seiner Geduld auf die Probe gestellt zu werden, wie es Hiob passiert ist. Die Leiden, denen einzelne Männer in ihrem Leben begegnen, sind nicht immer eine Strafe, sondern häufiger eine Prüfung, die sie auf eine glückliche Ewigkeit vorbereitet. Im Fall von Nationen ist das Leiden aufgrund von Kriegen, Epidemien oder Erdbeben immer eine Strafe, gerade weil sie keine Ewigkeit haben. Zu sagen, daß eine Katastrophe „eine Prüfung“ für eine Nation sein kann, macht keinen Sinn. Es kann eine Prüfung für die einzelnen Angehörigen einer Nation sein, aber nicht für die ganze Nation, weil sie in der Zeit und nicht in der Ewigkeit ist.

Die Strafen einer Nation nehmen proportional zu ihren Sünden zu. Und im Verhältnis zu den Sünden nimmt unter den Gottlosen auch die Ablehnung der Idee einer Strafe zu, wie Voltaire es in seinem blasphemischen Gedicht über die Katastrophe von Lissabon getan hat, das nach dem schrecklichen Erdbeben geschrieben wurde, das 1755 die Hauptstadt Portugals zerstörte. Auf die Gotteslästerungen der Atheisten reagierte die Kirche immer durch die Wiederbelebung des Bewußtseins, daß alles, was geschieht, von Gott abhängt und eine Bedeutung hat. Wenn aber die Kirchenmänner selbst die Idee der Strafe leugnen, bedeutet das, daß die Bestrafung bereits im Gange und unabänderlich ist. In den ersten Tagen des Coronavirus ging der Erzbischof von Mailand, Msgr. Mario Delpini, so weit zu sagen, daß „es heidnisch ist, an einen Gott zu denken, der Geißeln sendet“. In Wirklichkeit ist es nicht heidnisch, aber atheistisch, an einen Gott zu denken, der keine Geißeln sendet. Die Tatsache, daß dies das Denken vieler Bischöfe weltweit ist, bedeutet, daß Teile des Weltepiskopats dem Atheismus verfallen sind. Und das ist ein Zeichen für eine anhaltende göttliche Strafe.

Der heilige Bernhard erklärt, je näher die Strafe Gottes rückt, desto weniger werden sich die Völker, die sie verdienen, dessen bewußt.[15] Der Grund für diese Blindheit des Geistes ist Stolz, initium omnis peccati (Sir 10, 15), der Anfang jeder Sünde. Der Stolz verdunkelt den Intellekt und hindert daran, zu sehen, wie nahe der Untergang ist. Gott will mit dieser Blindheit die Stolzen demütigen.

Mit der Hilfe des heiligen Bernhard können wir auch eine Stelle der Psalmen interpretieren, die von Leo XIII. in seinem Exorzismus gegen Satan und die gefallenen Engel aufgegriffen wurde:

„Veniat illi laqueus quem ignorat, et captio quam abscondit, apprehendat eum et laqueum cadat in ipsum“ (Ps 34, 8).

Die freie Übersetzung dieser Passage könnte lauten: Möge die Schlinge kommen, an die er nicht denkt, und die Manöver, die er versteckt, mögen ihn ergreifen, sodaß er in seine eigene Todesschlinge fällt.

Der heilige Bernhard sagt, daß diese Stelle aus den Psalmen in dreierlei Hinsicht interpretiert werden kann.

Auf der Seite Gottes: Veniat illi laqueus quem ignorat. Die erste Ursache für diese Unwissenheit kommt von Gott, der sich der Epidemien und Hungersnöte bedient, um seine Pläne zu verbergen: laqueus est pestis vel fames et consimilia[16], die Schlinge ist die Pest oder Hungersnot und Ähnliches, sagt der heilige Bernhard. Zuallererst entzieht Gott den Völkern ihre Führer: nicht nur politische und spirituelle Führer, sondern auch die Engel, die über die Nationen wachen. Gott nimmt ihnen dann das Lumen veritatis, das Licht der Wahrheit, weg, das eine Gnade ist, wie jedes Gut, das von Gott kommt. Schließlich läßt Gott sündige Völker in die Hände ihrer eigenen Laster fallen, der Dämonen, die die Engel ersetzen, und von Bösen, die sie in den Abgrund führen.

Et captio quam abscondit, apprehendat eum. Sobald ihnen alle Führung und das Licht der Wahrheit genommen wurden, ändern sich die reuelosen Völker, wenn Gott die Strafe ankündigt, nicht, sondern vermehren ihre Sünden noch. Und die Vervielfachung der Sünden erhöht die Blindheit der Völker noch mehr.

Et laqueum cadat in ipsum. Sündige Völker ignorieren die Stunde der Bestrafung, die plötzlich und unerwartet kommt. Die Manöver, die sie versuchen, um das Gute zu zerstören, wenden sich gegen sie. Sie werden nicht nur bestraft, sondern auch gedemütigt. Auf diese Weise erfüllt sich Jesajas Prophezeiung:

„Doch es wird ein Unheil über dich kommen, das du nicht wegzaubern kannst. Ein Verderben wird dich überfallen, das du nicht zu bannen vermagst. Und plötzlich wird dein Untergang kommen, an den du niemals gedacht hast“ (Jesaja 47, 11).

 

Furcht und Angst

Wenn die Bestrafung beginnt, verbreitet der Teufel, der seine Pläne durchkreuzt sieht, in den Völkern das Gefühl der Angst, ein Vorzimmer zu dem der Verzweiflung. Die Bösen leugnen die Existenz der Katastrophe, die Guten verstehen ihre Ankunft, aber anstatt darin die Gelegenheit zur Erneuerung zu erkennen, sind sie versucht, darin ihren eigenen Untergang zu sehen. Das geschieht, wenn sie darauf verzichten, die weise Hand Gottes hinter den Ereignissen zu sehen, um stattdessen den Manövern der Menschen nachzujagen. Der Erzdiakon Henri-Marie Boudon, ein Autor, der dem heiligen Ludwig Maria Grignion von Montfort sehr am Herzen lag, schreibt: „Dieu ne frappe que pour être regardé; et l’on n’arrête les yeux que sur les créatures[17]. Gott schlägt nur, um beachtet zu werden, und anstatt den Blick auf ihn zu richten, bleiben wir bei den Geschöpfen hängen.

Dies bedeutet nicht, daß die Manöver der revolutionären Kräfte nicht beobachtet, analysiert und bekämpft werden sollten, aber ohne je zu vergessen, daß die Revolution in der Geschichte aufgrund der selbstzerstörerischen Natur des Bösen, das sie an sich hat, immer besiegt wird und die Gegenrevolution immer gewinnt wegen der Fruchtbarkeit des Guten, das sie in sich trägt.

Der Atheismus ist die Verdrängung Gottes aus allen Bereichen des menschlichen Handelns. Der große Sieg der Feinde Gottes besteht nicht darin, unser Leben zu unterdrücken oder unsere physische Freiheit einzuschränken, sondern darin, die Idee von Gott aus unserem Verstand und unserem Herzen zu entfernen. Alle Überlegungen, die philosophischen, historischen oder politischen Spekulationen, bei denen Gott nicht an erster Stelle steht, sind falsch und illusorisch.

Bossuet sagt: „Toutes nos pensées qui n’ont pas Dieu pour objet sont du domaine de la mort[18] (Alle unsere Gedanken, die nicht von Gott handeln, befinden sich im Bereich des Todes). Es ist wahr, und wir können sagen, daß alle Gedanken, die Gott zum Gegenstand haben, zum Bereich des Lebens gehören, weil Jesus Christus, Richter und Retter der Menschheit, „Weg, Wahrheit und Leben“ ist (Joh 14, 6). Von Gottes Urteil in der Geschichte und über die Geschichte zu sprechen, bedeutet daher nicht, vom Tod zu sprechen, sondern vom Leben, und wer davon spricht, ist kein „Prophet des Untergangs“, sondern ein Herold der Hoffnung.

Die, die heute mit größter Kraft die Idee der Strafe ablehnen, sind die Männer der Kirche. Sie lehnen die Bestrafung ab, weil sie das Urteil Gottes ablehnen, das sie durch das Urteil der Welt ersetzen. Doch die Furcht vor Gott entsteht aus Demut, die Angst vor der Welt hingegen entsteht aus Stolz.

Gott zu fürchten ist die höchste Weisheit: Timor Domini initium Sapientiae, die Fülle der Weisheit ist die Gottesfurcht, sagt das Buch Jesus Sirach (1, 14, 16) und das Buch Kohelet endet mit folgenden Worten:

Deum time, et mandata eius serva: hoc est enim omnis homo (Koh 12, 13).

„Fürchte Gott, und achte auf seine Gebote! Das allein hat jeder Mensch nötig“. Wer Gott nicht fürchtet, ersetzt die göttlichen Gebote durch Gebote der Welt, aus Angst, von der Welt isoliert, zensiert und verfolgt zu werden. Die Angst vor der Welt, die eine Folge der Sünde ist, drängt zur Flucht, die Gottesfurcht aber regt zum Kampf an.

Ein großer französischer Autor, Ernest Hello, sagt:

„Den Namen Gottes zu fürchten bedeutet, vor nichts Angst zu haben“[19].

Hello erinnert uns auch an ein Wort der Heiligen Schrift, dessen ganze Tiefe wir niemals kennen werden: laetetur cor meum ut timeat nomen tuum (Ps 85, 11): „Mein Herz frohlocke, auf daß es deinen Namen fürchte“.

Freude ist nur dort, wo die Gegenwart Gottes ist, und Gott kann nicht gegenwärtig sein, wenn es keine Furcht vor ihm gibt. Der Heilige Geist sagt, daß es nichts Besseres gibt als Gottesfurcht: Nihil melius est quam timor Domini (Sir 23, 27); er nennt sie die Quelle des Lebens: Timor Domini fons vitae (Spr 14, 27) und Jubel und Freude: Timor Domini gloria, gloriatio und laetitia und corona exultationis (Sir 1, 11).

Es ist diese Furcht vor Gott, die uns dazu drängt, die göttliche Hand in den tragischen Ereignissen unserer Zeit zu erkennen und uns mit ruhigem Mut für den Kampf zu bereiten.

 

Der Ritter, der Tod und der Teufel

Der Ritter, der Tod und der Teufel ist ein Kupferstich von Albrecht Dürer aus dem Jahr 1513. Das Werk zeigt einen Ritter mit einem Helm auf dem Kopf und einem Schwert und einem Speer, der auf einem majestätischen Streitroß reitet und dem Tode trotzt, der ihm eine Sanduhr mit der Zeit des flüchtigen Lebens zeigt, und den Teufel, dargestellt als gehörntes Tier mit einer Hellebarde.

Plinio Corrêa de Oliveira erinnert in einem Artikel, der vor fast siebzig Jahren im Februar 1951 in der Zeitschrift Catolicismo veröffentlicht wurde, an dieses Bild, um den Konflikt zu veranschaulichen zwischen der Revolution, die nicht zurückweichen kann, und der Kirche, der es trotz allem nicht gelungen ist, zu siegen.

Er schrieb:

„Krieg, Tod und Sünde bereiten sich darauf vor, die Welt erneut zu verwüsten, diesmal in größerem Ausmaß als je zuvor. 1513 stellte Dürers unvergleichliches Talent sie in Form eines Ritters dar, der in voller Rüstung und begleitet von Tod und Sünde in den Krieg zog, wobei letztere von einem Einhorn dargestellt wurde. Europa, das bereits damals in die Umwälzungen verstrickt war, die der Pseudo-Reformation vorausgingen, näherte sich dem tragischen Zeitalter der religiösen, politischen und sozialen Kriege, die der Protestantismus auslöste.

Der nächste Krieg, ohne explizit und direkt ein Religionskrieg zu sein, wird die heiligsten Interessen der Kirche so berühren, daß ein wahrer Katholik nicht anders kann, als darin hauptsächlich den religiösen Aspekt zu sehen. Und das Massaker, das ausbrechen wird, wird sicherlich unvergleichlich verheerender sein als das der vergangenen Jahrhunderte.

Wer wird gewinnen? Die Kirche?

Die Wolken vor uns sind nicht rosig. Es bewegt uns jedoch eine unbesiegbare Gewißheit und das heißt, daß nicht nur die Kirche – was offensichtlich ist angesichts der göttlichen Verheißung – nicht verschwinden wird, sondern daß sie in unserer Zeit einen größeren Triumph als jenen von Lepanto erzielen wird.

Wie? Wann? Die Zukunft gehört Gott. Viele Ursachen für Traurigkeit und Besorgnis türmen sich vor uns auf, selbst wenn wir einige Brüder im Glauben betrachten. In der Hitze des Kampfes ist es möglich und sogar wahrscheinlich, daß es schreckliche Formen der Fahnenflucht geben wird. Aber es ist absolut sicher, daß der Heilige Geist in der Kirche weiterhin bewundernswerte und unbezwingbare geistige Energien des Glaubens, der Reinheit, des Gehorsams und der Hingabe hervorruft, die im richtigen Moment den christlichen Namen wieder mit Ruhm bedecken werden.“

Plinio Corrêa de Oliveira beendet seinen Artikel mit der Hoffnung, daß das 20. Jahrhundert „nicht nur das Jahrhundert des großen Kampfes, sondern vor allem das Jahrhundert des immensen Triumphs“ sein werde. Wir wiederholen diese Hoffnung, die wir auf das 21. Jahrhundert ausdehnen, unser Jahrhundert, die Ära des Coronavirus und neuer Tragödien, aber auch die Zeit für ein erneuertes Vertrauen in das Versprechen von Fatima. Ein Vertrauen, das wir mit den Worten ausdrücken möchten, die Papst Pius XII. 1948 an die Katholische Aktion richtete:

„Ihr kennt, geliebte Kinder, die geheimnisvollen Reiter, von denen die Apokalypse spricht. Der zweite, dritte und vierte sind Krieg, Hunger und Tod. Wer aber ist der erste Reiter auf dem weißen Pferd? ‚Der, der auf ihm saß, hatte einen Bogen. Ein Kranz wurde ihm gegeben und als Sieger zog er aus, um zu siegen‘ (Offb 6, 2). Es ist Jesus Christus. Der die Zukunft schauende Evangelist sah nicht nur auf die durch Sünde, Krieg, Hunger und Tod verursachten Ruinen. Er sah zuerst auch den Sieg Christi. In der Tat ist der Weg der Kirche durch die Jahrhunderte nur ein Kreuzweg, aber er ist zu jeder Zeit auch immer ein Triumphzug. Die Kirche Christi, die Menschen des Glaubens und der christlichen Liebe, sind immer jene, die der Menschheit ohne Hoffnung Licht, Erlösung und Frieden bringen. Iesus Christus heri et hodie, ipse et in saecula (Heb 13, 8). Christus ist euer Führer, von Sieg zu Sieg. Folgt ihm.“[20]

Fonte: Katholisches

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